Digital Humanities 2020

Digital Humanities 2020

Der Vorstand des Verbandes Digital Humanities im deutschsprachigen Raum möchte die Gelegenheit der ersten Mitgliederversammlung nach der Gründung nutzen, um eine systematische Diskussion über den Gegenstandsbereich der DH, sowie über die fachliche und wissenschaftspolitische Agenda des Verbandes anzuregen. Um eine lebhafte Diskussion unter den Mitgliedern unseres Verbands in Gang zu setzen, legt der Vorstand nachfolgend als Ausgangspunkt einige Thesen vor, die bei der Mitgliederversammlung in Passau als Basis für ein Arbeitsprogramm dienen sollen, für dessen künftige Erarbeitung und Umsetzung in Passau Mithilfe erbeten wird.

Die Thesen in Langform

1. Die Digital Humanities

1.1 Die Digital Humanities bereichern die traditionellen Geisteswissenschaften konzeptionell und methodisch - ihre Werkzeuge und Verfahren ergänzen das “Wie” unserer Praxis um eine empirisch ausgerichtete Epistemologie.  

1.2 Bei allem methodischen und theoretischen Anspruch ist für die Digital Humanities jedoch zugleich eine pragmatische Orientierung kennzeichnend. Die Entwicklung und Bereitstellung informationstechnischer Werkzeuge gehört deshalb zu ihren zentralen Merkmalen.

2. Die Digital Humanities und ihr Umfeld

2.1 Die Digital Humanities stehen nicht außerhalb der Geisteswissenschaften, sie sind einer ihrer Teile. Die Übertragbarkeit von Modellen, Methoden und Werkzeugen von einer traditionellen Disziplin auf eine andere hilft bei der Überwindung disziplinärer Grenzen.

2.2 Technische Lösungen für geisteswissenschaftliche Probleme erfordern ein tieferes Verständnis der Möglichkeiten der Informatik, das über die bloße Anwendung hinausgeht und unmittelbar auf die Theoriebildung einwirkt.

2.3 Die Geisteswissenschaften haben eine lange Tradition der Nutzung von Bibliotheken, Archiven und Museen. Die Formen dieser Kooperation müssen gemeinsam den Möglichkeiten angepasst werden, die sich durch die neuen Technologien ergeben.

2.4 Virtuelle Infrastrukturen ermöglichen die gemeinsame Nutzung generischer Dienste und bieten eine grundlegende Basis für Werkzeuge. Solche Infrastrukturen sollten vorhandene Anforderungen erfüllen, Werkzeuge sollten kompatibel zu ihnen entwickelt werden.

2.5 Die Digital Humanities sind aus spezifischen inhaltlichen Forschungsprojekten entstanden, ihre Methoden entwickelten sich von Fall zu Fall aus dem konkreten Bedarf. Inzwischen sind die DH jedoch zu einem eigenständigen Fach gereift: Sie sollten sowohl als Bestandteil anderer Fächer, als auch in dedizierten Studiengängen unterrichtet werden.

3. Der Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum

3.1 Der Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum dient der Selbstorganisation einer neuen transdisziplinären Community und vertritt deren Interessen.

3.2 Die Digital Humanities operieren im Schnittfeld zwischen Geisteswissenschaften und Informatik. Für diesen interdisziplinären Arbeitsbereich müssen neue, eigene Evaluationskulturen und Peer-Review-Verfahren aufgebaut werden.

3.3 Die digitalen Techniken haben sowohl die Art, wie geisteswissenschaftliche Ergebnisse publiziert werden, als auch die Struktur dieser Publikationen, verändert. Unabhängig von ihrer Würdigung in der Evaluation von Projekten und Karrieren muss dieser Wandel  unterstützt werden.